Wer Social Media sagt, muss auch Facebook, Instagram, Youtube, Twitter und Co. sagen. Doch diese Platzhirsche haben nicht schon immer den sozialen Teil des Internets beherrscht. Wie in jeder Branche gibt es auch hier längst vergessene Vorreiter. Diese möchten wir euch nochmals ins Gedächtnis rufen und somit den verdienten Respekt zollen.

MySpace

Sagt dir der Name Tom Anderson etwas? Richtig, er gründete neben Brad Greenspan, Chris DeWolfe, Ton Nguyen und Josh Berman im Jahr 2003 die Plattform „MySpace“ und ist bis heute noch vielen als „erster MySpace-Freund“ in Erinnerung. Über 200 Millionen aktive Nutzer interagierten auf dieser Seite. Ein USP war vor allem die Möglichkeit der sehr individuell gestaltbaren Profilseiten der jeweiligen Nutzer. Andere Websites machten sich dies sogar zunutze, indem sie die schönsten oder hässlichsten Profile ausstellten oder Designs zum Downloaden zur Verfügung stellten. Ebenfalls konnten Videos und Musik in die Profilseiten eingebunden werden, dies nutzten vor allem Künstler und Bands, um ihre eigene Karriere zu pushen.

Im Jahr 2005 wurde MySpace an den Medienkonzern News Corporation verkauft und 2006 hatte die Plattform ihren Höhepunkt mit täglich 230.000 neuen Usern. Zwei Jahre danach wurde es jedoch immer mehr von Facebook verdrängt. Im Jahr 2011 waren nur noch 63 Millionen Nutzer registriert. Klappe zu, Affe tot? Vielleicht nicht. Denn kein Geringerer als Justin Timberlake soll angeblich bemüht sein, die Plattform wieder zum Leben zu erwecken. Schließlich gehört er zur Investorengruppe, die die Seite 2011 gekauft hat.

VZ-Netzwerke

Endlich hatte man einen Vorteil, wenn man unter 21 Jahre alt war. Richtig gelesen, das Netzwerk SchülerVZ war nur für Nutzer zwischen 10 bis 21 Jahren gestattet. Was ja auch Sinn macht, da die Plattform speziell für Schüler und Schülerinnen konzipiert wurde. Es startete im Jahr 2007 als Ableger für das 2005 von dem Volkswissenschaftler Essay Dariani und dem Informatiker Dennis Bemmann gegründete StudiVZ (16 Millionen Mitglieder). Die Nutzerzahlen entsprachen etwa 70 Prozent der gesamten deutschsprachigen Schülerschaft mit beeindruckenden fünf Millionen Nutzern.

Das Besondere: Es konnte sich nicht jeder nach Lust und Laune anmelden. Nein, man brauchte eine Einladung von einem bereits registrierten Nutzer. Für diejenigen, die sich gegen eine akademische Laufbahn nach der Schule entschieden, gab es die Ablegerwebsite MeinVZ (32 Millionen Mitglieder). Es gab aber keine Beschränkung für die jeweiligen Ableger, alle Nutzer eines VZ-Netzwerkes konnten miteinander kommunizieren, egal ob man zu den Studenten, zur Schülerschaft oder zu den Lehrlingen zählte. Klingt super? War es auch, bis es vom blauem Riesen zerquetscht wurde und auf dem Friedhof landete.

Second Life

Das kalifornische Unternehmen Linden Lab erschuf im Jahr 2003 die 3D-Weltsimulation „Second Life“. Es war ein Mix aus Spiel und Social Media Plattform. Die Nutzer konnten ihren eigenen Avatar erstellen und in Echtzeit miteinander kommunizieren sowie agieren. Sie konnten folglich wortwörtlich ein zweites virtuelles Leben führen. So wie wir dies mittlerweile von den meisten Apps kennen, gab es eine kostenlose Basisversion. In seiner Blütezeit im Jahr 2007 zählte die Plattform über 7 Millionen „Lifers“. Auch für die meisten Unternehmen zählte Second Life zur festen Marketingstrategie – beispielsweise waren BMW, Toyota aber auch Adidas vertreten. Ebenfalls zog es Politiker auf die Website. Diese nutzten sie, um Wählerstimmen zu generieren. Technische und grafische Mängel verscheuchten zunehmend die User. Und heute? Second Life steht nur mit einem Bein im Sarg, denn zwischen 35.000 und 60.000 Nutzer sind immer noch aktiv. Wir gehen jedoch nicht von einem Riesen Coming Back aus und haben schon mal den Grabstein beschriftet.

Jetzt ist aber Schluss mit der Reise in die Vergangenheit. Wir hoffen, wir haben bei einigen von Ihnen ein nostalgisches Gefühl hinterlassen und jenen, die mit diesen Plattformen nichts zu tun hatten, ein interessantes Briefing gegeben. Doch jetzt konzentrieren wir uns wieder gemeinsam auf die Zukunft – und zwar die Zukunft deines Unternehmens.